Schatzsuche im Dschungel von Venezuela
Wo liegen die letzten weißen Flecken auf dieser Erde? Wo sich noch unentdeckte Schätze finden lassen? Im Dschungel des Amazonas, im Dreieck zwischen Venezuela, Brasilien und Guyana gäbe es unwirtliche, hoch aufragende Tafelberge. Dort kämen zentimetergroße Goldkristalle zusammen mit Diamanten vor. Die Gegend sei so unwirtlich, dass es keine der großen Abbaufirmen geschafft habe, sich dort anzusiedeln. Dies sei das Reich der „garimpeiros“, wie die Vielzahl der illegalen Goldsucher Südamerikas genannt werden. Ihr schlechter Ruf verfolgt sie auf Schritt und Tritt. Sie seien für die Zerstörung der Natur durch Quecksilber verantwortlich, das Abholzen der Wälder und für die ständigen Übergriffe auf die Indios. Aber sie förderten geschätzte 10 bis 15 Tonnen Gold pro Jahr ans Tageslicht, dazu abertausende Karat bester Diamanten. Sie nannten uns den Namen Zapata-Gold. Fast reine Goldkristalle in den wundervollsten Ausbildungen. Dazu noch Gold-Skelettkristalle, menschlichen Schädeln gleich schauend, Gold gewachsen wie urzeitliches Farnlaub, mit Palladium angereicherte Goldmischkristalle ägyptischen Hieroglyphen ähnelnd. Aber man könne heute noch dabei leicht umkommen, warnten sie uns.
„El Trompo Rojo“ erwartete uns am Flughafen von Caracas. Sein Leben habe er als Ingenieur in der Erdölindustrie verbracht und es dabei nicht mehr ausgehalten. Was er nun mache, sei viel interessanter. „Jungle Buyer“ hätten ihn einige Amerikaner genannt. Der „Dschungel-Käufer“. Weil er die perfektesten Goldkristalle und Diamanten hätte. Eigentlich hieß der Mann Alejandro Stern, aber hier in Venezuela kannten sie ihn alle nur unter dem Namen „El Trompo Rojo“. Dergestalt hieß man den seltensten aller Diamanten, der hier gefunden werden konnte, der blutrote Diamant. Ein einziges Karat brachte annähernd eine Million Euro. In endlos langer Fahrt enteilten wir der Zivilisation. Bald tauchten wie urzeitliche Monster die ersten Tafelberge auf, die hier Tepuis genannt werden. Auf ihnen sollte es noch unbekannte Tiere und Pflanzen geben, dazu Gold haufenweise selbst Dinosaurier überlebt haben, wie es der englische Sherlock Holmes Erfinder Sir Arthur Conan Doyle in seiner „Lost World“ beschrieb. Der große Schriftsteller hatte nie diese Gegend aufgesucht, die alle hier Gran Sabana nannten. Aber er hatte sich von den Erzählungen der Abenteurer in seiner Phantasie beflügeln lassen. Sie berichteten von hungrigen Kannibalen, kopflosen Menschen, faustgroßen Diamanten und sie hätten eigenartigerweise mit eigenen Augen alles zerfletschende Dinosaurier gesehen. So schuf er schon im Jahr 1912 den Vorgänger aller Jurassic-Park-Romane, wobei er sich sicher keine bessere Gegend auf dieser Welt hätte aussuchen können.
Goldsuchers Leben im Dschungel
Den ersten Goldgräber, den wir in der Nähe eines Städtchens mit dem bezeichnenden Namen El Dorado trafen, war ein vor langer Zeit ausgewandeter Schweizer namens Bruno Reichlin. „Banditen haben mir fünf Kugeln in den Bauch geknallt. Ich überlebte wie durch ein Wunder,“ erzählte er, als gehöre dies zum normalsten der Welt. Wir fuhren weiter südlich in die Nähe von Santa Elena de Uairén. Dort trafen wir einen nächsten Minero, der einsam und allein an einem Flussmäander nach Gold schürfte. Weiterlesen ‘In der vergessenen Welt’